Nachsuchenführer Reimer Mohr beim Jagdhundeführer-Stammtisch im Hegering 6


 

Die Hundeobfrau des Hegerings 6, Doris Jacobi, hatte zum Jagdhundeführer-Stammtisch am Freitag den 17. Feb. 2012, um 19:00 Uhr, in den Schinkenkrog in Osterby geladen und sie konnte an diesem Abend insgesamt 41 Jagdhundeführer/innen sowie Jäger/innen aus den Hegeringen der Kreisjägerschaft (KJS) Eckernförde begrüßen.

jaco-Jagdhundeführerstammtisch-17-02-2012-1.jpg

Der Hegeringleiter des Hegerings 6, Heino Bothmann, selbst passionierter Rüdemann, war selbstverständlich wieder zugegen.

Der Obmann für das Jagdhundewesen der KJS Eckernförde, Harald Wullbieter, war an diesem Abend verhindert und wurde fach- und sachgerecht vom Hundeobmann des Hegerings 1, Clemens Petersen, vertreten.

Als besonderen Referenten hatte die Hundeobfrau an diesem Abend den aus Funk und Fernsehen bekannten professionellen Nachsuchenführer Reimer Mohr von der Schweißhundestation Plön e. V. eingeladen.

Zunächst berichtete jedoch Clemens Petersen über Neues aus der ARGE Jagdhunde und führte Wissenswertes zur neuen Gesetzeslage des verabschiedeten Landesjagdgesetzes Schleswig-Holstein aus. Interessant für die Jagdhundeführer/innen war hierbei, dass die Ausbildung von Jagdhunden nun als Jagdausübung gilt. Übt also ein Jäger/in mit seinem Jagdhund in einem Revier ohne Wissen des Revierinhabers, so könnte hier der Straftatbestand der Wilderei erfüllt sein, auch wenn der Grundeigentümer sein Einverständnis hierzu gegeben hatte.

jaco-Jagdhundeführerstammtisch-17-02-2012-2.jpg

Nach diesem interessanten, jedoch auch schwer verdaulichen Gesetzesthema, übergab die Hundeobfrau das Wort an Nachsuchenführer Reimer Mohr. 

Dieser stellte zunächst sich und anschließend seine Arbeit in der Schweißhundestation Plön e. V. vor. Reimer Mohr ist gerade 50 geworden. Nach einer Ausbildung und anschließender Dienstverrichtung im öffentlichen Dienst übernahm er später den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern. Diesen bewirtschaftet er heute zusammen mit seinem Neffen.

Er betreut zudem als Jäger ein 1.500 ha großes Jagdrevier in der Kreisjägerschaft (KJS) Plön, in dem er von 2 Mitjägern bei der Jagdausübung unterstützt wird.

Hauptsächlich übt er jedoch die Nachsuchenarbeit für die Schweißhundestation Plön e. V. aus. Er kommt hierbei auf ca. 288 Nachsuchen (!) im Jahr. Er selbst hält 8 ausgebildete Jagdhunde, wovon 2 Jagdhunde ausgebildete „Schweißexperten“ sind. So „ganz nebenbei“ züchtet er auch noch Pudelpointer und Westfalenterrier.

jaco-Jagdhundeführerstammtisch-17-02-2012-3.jpg

Zu Entstehung und Aufgabe der Schweißhundestation erklärte Mohr zunächst, dass mit der zunehmenden Population des Schwarzwildbestandes in der KJS Plön und der damit verbundenen intensiven Bejagung der Schwarzkittel auch die Anzahl der Nachsuchen erheblich anstiegen. Durch einzelne Nachsuchenführer/innen waren die Nachsuchen kaum noch abzuarbeiten. Zudem sind nur Berufsjäger bei Nachsuchen in fremden Jagdrevieren durch die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft bei Unfällen oder schweren Verletzungen, u. a. durch angreifendes Schwarzwild, versichert. Es musste daher etwas Grundlegendes geschehen - die Schweißhundestation Plön e. V. wurde geschaffen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und zäher Annahme durch einzelne Revierinhaber wurde die Schweißhundestation dann jedoch von den Jäger/Innen der KJS Plön gut angenommen. Mitglieder zahlen im Jahr 50,-- €; Nichtmitglieder zahlen jeweils die Kosten für Anfahrt und eine Aufwandspauschale des Nachsuchenführers pro Nachsuche.

Die 3 Nachsuchenführer der Schweißhundestation Holger Dujardin, Christian Darpert und Reimer Mohr sind mit Ihren Hunden als "Fährtenhundgespann" vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein nach dem Landesjagdgesetz anerkannt und dürfen revierübergreifend die Nachsuchen durchführen.

Reimer Mohr koordiniert die Nachsuchenbereitschaft dieser 3 Nachsuchengespanne über das gesamte Jahr hindurch. Das Ziel dabei ist, dass möglichst wenige Nachsuchenführer bei den ca. 380 anfallenden Nachsuchen im Jagdjahr, eingesetzt werden müssen und diese dadurch entsprechend ausgelastet sind.

Der Zutritt zu den betroffenen Revieren und die Durchführung der Nachsuchen sind ihnen von den Revierinhabern uneingeschränkt zu gestatten. Der jeweilige Nachsuchenführer kann zur Durchführung weitere z. B. Vorstehschützen benennen und nach seinen Anweisungen einsetzen. Er ist bei der Nachsuche auf das kranke Stück wie ein "Jagdleiter" zu sehen. Zuwiderhandlungen oder möglicherweise die Verweigerung des Zutrittes zu einem Revier, könnte als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gesehen werden und  schlimmstenfalls zum Entzug des Jagdscheines führen. Die Unterlassung einer Nachsuche auf krankes Wild – auch auf weibliche Stücke oder Niederwild - stelle eine Straftat dar und werde nach geltendem Recht auch als eine solche von den Strafverfolgungsbehörden verfolgt. 

Das müsse sich jeder Jagdleiter vor Augen halten, der eine Drück- oder Niederwildjagd vornehme. Gut ausgebildete Nachsuchengespanne müssen hier zur Nachsuche vorgehalten werden. Jedoch auch allein jagende Jäger/innen haben eine Nachsuche vorzunehmen, wenn Wild krank geschossen oder im eigenen Revier Wild durch Verkehrsunfall verletzt worden ist. Steht in einem solchen Fall kein eigenes Nachsuchengespann zur Verfügung, so ist durch sie / ihn ein anerkannter Nachsuchenführer/in zu verständigen und eine Nachsuche in die Wege zu leiten. Der Gedanke des Tierschutzes steht hier über allen anderen Hinderungsgründen. Zitat von Reimer Mohr: „Wir müssen das Leiden dieser Kreatur so schnell wie möglich beenden, denn wir haben` s  ja auch verursacht“.

Jaco-Junge-Jäger-Stammtisch20120113-4.jpg

Keine Nachsuche ist wie die andere, so Mohr. Bei jeder Nachsuche lernt auch das erfahrene Nachsuchengespann neu dazu.

Bereits im Juni / Juli, weit vor den im Herbst / Winter statt findenden großen Drückjagden, beginnt Reimer Mohr mit der Planung des Einsatzes der Nachsuchengespanne für die jeweiligen Drückjagden.  Auf 10 Schützen rechnet Mohr hierbei 1 Nachsuchengespann. Mehr als 3 Nachsuchen und 1 Kontrollsuche am Tag kann ein Nachsuchengespann nicht abarbeiten. Vertrauen zu den jeweiligen Nachsuchenführern in der Jägerschaft muss bestehen und ist natürlich zuvor erworben worden.

Nicht immer ist das Nachsuchengespann erfolgreich und kommt zum Stück. Das sind bedauerliche Tatsachen mit denen auch der erfahrene Nachsuchenführer und sein Schweißhund umgehen müssen.

Reimer Mohr bildet seine Jagdhunde grundsätzlich selbst aus. Die Schweißhunde werden von ihm ausschließlich mit dem Fährtenschuh eingearbeitet. Wichtig ist hierbei, dass die Schweißhunde auch später in der Lage sind, das waidwunde Wild zu stellen und zu verbellen, bis der Nachsuchenführer am Stück ist. Eine besondere Praktik beim Einarbeiten der jungen Schweißhunde durch ihn, ist die Zuhilfenahme eines Fährtenschweins. Peter Urbahn aus Parchim hat eine solche spezielle zahme Sau. Sie wird an der Führleine auf der 400 Meter langen Fährte geführt und tritt so die frische Fährte für das  Nachsuchengespann ein.  

Mohr führte zu den Grundsätzen der Nachsuche Folgendes aus:

Ist sich der Nachsuchenführer/in unsicher oder kann er der Wundfährte mit seinem Jagdhund nicht recht folgen, so ist für die Nachsuche ein Spezialist anzufordern.

Nicht erst lange selbst suchen. Schweiß und andere Geruchsstoffe treten sich überall breit. Im Schnee ist dies gut zu sehen. Die Arbeit für den „Spezialisten“ wird dadurch nur unnötig erschwert bzw. schlimmstenfalls sogar unmöglich gemacht. Sehr wichtig ist, dass der Anschuss nicht zertrampelt wird. Der An- und Ausschuss wird vom Nachsuchenführer genauestens untersucht und die vorgefundenen Spuren, wie Schweiß, Knochensplitter, Schnitthaar, Kugelriss, entsprechend gesichtet und ausgewertet. Röhrenknochenfunde sind immer ein Zeichen für eine folgende Lebendnachsuche, also eine sehr lange Nachsuche. Nachsuchenführer/innen müssen daher körperlich fit sein. Eine angenommene Nachsuche ist auch zu Ende zu führen! Sollte die Nachsuche zu lang werden, sollte eine Ablösung durch einen weiteren Spezialisten erfolgen.

Zur Nachsuchenarbeit gehört eine sehr gute Ausrüstung. Unerlässlich sind hier die schlagfeste Hose sowie GPS für Hund und Führer. Zudem rät Mohr zum Abschluss einer Freizeitunfallversicherung, da die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft nur für die Erstversorgung aufkommt. Ein schwerer Jagdunfall durch angreifendes waidwundes Schwarzwild kann jedoch folgenschwere Behandlungen und kostenintensive REHA-Maßnahmen nach sich ziehen. Des Weiteren warnte der Fachmann davor, niemals alleine und niemals in der Nacht eine Nachsuche vorzunehmen. Die Gefahren bei der Nachsuche auf wehrhaftes Schwarzwild zu stoßen, liegen nach seinen Erfahrungen bei ca. 60 %. Das kranke Stück daher möglichst immer gegen den Wind angehen. Bei Schwarzwild über 50 Kg rät Mohr, den stellenden Hund abzutragen und den Fangschuss anzutragen. Ansonsten fängt er das vom Hund gestellte kranke Stück mit dem Saufänger ab. Abschließend erklärte Mohr, dass Nachsuchenführer/innen lernen müssen, auch mit Niederlagen umzugehen. Besonders wichtig ist auch, bei den Nachsuchen Erlebtes anschließend zu verarbeiten.

Neben selbst erlebten Nachsuchenberichten hatte Reimer Mohr dann noch Ratschläge und Tipps zur Jagdhundeausbildung mitgebracht, die nicht nur für die anwesenden Rüdefrauen und Rüdemänner interessant waren, sondern insbesondere an die als Gäste anwesenden Jungjäger/innen des Ausbildungskursus 2011-12 der KJS Eckernförde e. V. gerichtet waren.

jaco-Jagdhundeführerstammtisch-17-02-2012-5.jpg

Die Hundeobfrau bedankte sich mit einem kleinen Präsent bei Reimer Mohr für diesen engagierten, lebendigen und ausführlichen Sach– und Fachvortrag. Sie wies die Anwesenden noch darauf hin, das die wertvolle Arbeit von Reimer Mohr in einer Filmdokumentation festgehalten und unlängst in dem Fernsehprogramm N3 unter der Rubrik „Naturnah“ ausgestrahlt worden war. Kopien hierzu sind über den NDR erhältlich.

Jaco-Junge-Jäger-Stammtisch20120113-6.jpg

Um 21:00 Uhr schloss die Hundobfrau den „offiziellen Teil“ des Jagdhundeführerstammtisches. Natürlich ging es jetzt erst los. Bei Bier und Spezi wurde gefachsimpelt und Erfahrungen ausgetauscht. Hauptthema waren dabei natürlich wie immer UNSERE JAGDHUNDE und was DIE alles können! Reimer Mohr musste noch viele Fragen beantworten und sich die eine und andere Nachsuchengeschichte anhören….

Jaco-Junge-Jäger-Stammtisch20120113-6.jpg

 „Macht es gut bis zum nächsten Jagdhundeführerstammtisch am 15. August 2012 zur gleichen Uhrzeit und kommt alle gut nach Hause“, verabschiedete Doris Jacobi die Rüdefrauen und Rüdemänner sowie Jäger/innen am Ende dieses informativen und harmonischen Abends im Schinkenkrog in Osterby.

 

- Uwe JACOBI –

Obmann für Öffentlichkeitsarbeit im Hegering 6

 



Autor: Uwe Jacobi