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Jagdgesetz gegen Tierschutzgesetz - offener Brief des Obmannes für Berufsjäger a. D. an die Landwirtschaftsminister der Bundesländer

07. 05. 2021

Wildmeister Dieter Bertram   

Bundesobmann der Berufsjäger a.D.                                                                                                                                                                             Mai 2021 

Offener Brief

 

An die

Landwirtschaftsminister der Bundesländer

 

Nachrichtlich    

An die

Präsidenten der  Landesjagdverbände                                                                                                           

Betr.: Jagdgesetz gegen Tierschutzgesetz

 

Sehr geehrte Damen und Herren.

 

Mit den neuesten Jagd- und Schonzeiten für Schalenwild im Frühjahr (Schmalrehe, Schmaltiere, nicht führende Bachen) wird der Gesetzgeber sich selbst zum Feind durch Gesetzbruch, weil der massive Verstoß gegen den Tierschutz billigend in Kauf genommen wird.

 

Was ist aus der Jagd geworden, fragt nicht nur eine anspruchsvolle Jägerschaft, sondern auch die Öffentlichkeit, wenn die Kinderstube der Wildtiere nicht mehr geachtet wird.

 

Jagdbeiräte aus der Forstwirtschaft, auch sogenannte Fachpresse schildern seit Jahren, wie leicht Ricke und Schmalreh, Alttier und Schmaltier, Schwarzwild führend und nichtführend auf Fotos sich unterscheiden lassen.

 

Die Praxis, die zur Verschwiegenheit verpflichteten Schweißhundführer und die Wildhändler zeichnen ein anderes Bild. Aktueller Hinweis aus Rheinland Pfalz, zwei Schweißhundführer (ein Forstbeamter und ein Berufsjäger) haben ihre Nachsuchenarbeit eingestellt. Der viele Jahre mit hoher Verantwortung geleistete „Rote-Kreuz-Dienst“ am Wild sei unerträglich geworden, speziell bei der Frühjahrsjagd. (Verendete Bachen an denen die Frischlinge saugen, Ricken, Alttiere, vermutete Schmaltiere, bei denen die Kälber Totenwache halten).

 

Die Frühjahrsjagd auf weibliches Schalenwild ist vom Gesetzgeber nicht nur für professionelle, sehr erfahrene Jäger, sondern für jeden Jäger, auch für den Jungjäger nach vierzehntägigem Lehrgang erlaubt.

 

In der Natur spielen sich Tiertragödien ab, die auch unter dem Gesichtspunkt des Waldwiederaufbaus nicht tollerierbar und zurück zu nehmen sind, bevor das Jagdwesen zum Flächenbrand wird.

 

Tierschutzorganisationen, Peta, Vierpfoten und Jagdgegner stehen in Lauerposition. Ihnen fehlt nur noch ein Günter Wallraff, der sich in das Jagdwesen einschleicht, die Jagd in der Gesellschaft an den Pranger stellt.

 

Die Frühjahrsjagd, insbesondere ab 1. April, ist nicht nur aus tierschutzrelevanten Gründen bedenklich, sondern auch aus Gründen des Waldschutzes. So wird die Frühjahrsjagd als besonders wirkungsvoll betrachtet, wenn das Wild auf dem ersten Grün Nahrung sucht.

Dem Ruhebedürfnis des Wildes wird keine Rechnung getragen, man treibt es mit der Intensivbejagung zurück in den Wald, wo es schält und verbeißt. Die zusätzliche Nachtjagd erhöht den Waldschaden.

 

Wir haben in unserem Land kein Wild- sondern ein Jagdproblem, an dem der Gesetzgeber durch seine Verordnungen einen hohen Anteil hat.

 

Die Stimmen werden lauter, der Forstwirtschaft die Wildbewirtschaftung zu entziehen, neuen Konzepten zu zuordnen.

Bedeutende Förster- und Jägerpersönlichkeiten der Vergangenheit, die kenntnisreich Wald und Wild gestalteten, sind abgelöst durch Dilettantismus. Wir erteilen den Ländern Ratschläge rund um den Erdball, wie sie mit Natur und Wildtieren umzugehen haben. Mit Wildtieren und Wald im eigenen Land stehen wir im wörtlichen Sinne auf Kriegsfuß.

 

Ein Volk, auch ein Jägervolk, daß seine Werte und Normen aufgibt, schlägt sich die eigenen Wurzeln ab und wird vergehen.

Einer der bekanntesten Wildbiologen Prof. Dr. Dr. Sven Herzog schreibt in seinem Buch „Wildtier- Management“ „Ich gebe der derzeitigen Jagd noch ein bis zwei Jahrzehnte.“ Die „Innere Mission“ der Jagd ist ein hohes Gut. Sie muß einen stärkeren Stellenwert bekommen, als gesetzliche Großzügigkeiten, in denen die Forstwirtschaft sich über den Tierschutz stellt.

 

Trotz Corona, trotz Borkenkäfer, trotz Klima- Weltuntergangsstimmung bitte ich Sie um Nachdenklichkeit für unser Wild. Es ist nicht Privateigentum der Forstwirtschaft, sondern allgemeines Kulturgut.

 

Mit freundlichen Grüßen Dieter  Bertram

 

 

Nachtrag: Der Unterzeichner hat 45 Jahre als Berufsjäger in großen Pachtrevieren, sowie im Öffentlichen Wald als Jagdleiter  eines Forstamtes mit fünf Revierförstereien gearbeitet. Das Wild war kein Problem, sondern ein Gewinn.

 

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