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Ein sehr seltenen Gast am Südstrand in Eckernförde
Am ersten Weihnachtstag erreichte mich gegen 11:00 Uhr die Nachricht der Polizei in Eckernförde, das eine sehr große Robbe am Südstrand lag.
Sofort fuhr ich zum Südstrand und war wenige Minuten nach der Meldung schon vor Ort.
Irgendwie sah diese Robbe anders aus als wie die, die ich bisher gesehen hatte.
Die Fellzeichnung und auch die Form der Robbe irritierten mich zuerst. Ein leiser Verdacht kam auf, daß es sich tatsächlich um eine Ringelrobbe handelte. Größe und Gewicht passten zur Beschreibung aus meinen Fotokarten. Die Ringelrobbe (Phoca hispida botnica) kommt in der nördlichen Ostsee bzw. im Nordmeer (Arktis) vor. Also ganz schön weit weg von zu Hause.
Die Robbe lag völlig regungslos im flachen Wasser, so das das Maul und die Nase ständig überspült wurde und das Atmen sehr erschwerten. Ich zog mir meine PSA an und ging langsam auf die Robbe zu, jeden Moment damit rechnend, das die Robbe mir Ihre fletschenden Zähne zeigt, um mir zu sagen, lass mich bloß in Ruhe, sonst zerreiße ich Dich.
Denn auch die Ringelrobbe ist ein großes Raubtier, das nicht unbedingt zu Späßen aufgelegt ist.
Je näher ich kam es passierte nichts, kein knurren, keine fletschenden Zähne, nichts dergleichen.
Das Tier hatte absolut keine Fluchtdistanz mehr, was eigentlich nur dann vorkommt, wenn das Tier todkrank ist. Ich konnte das Tier anfassen und mit Hilfe zweier Jogger an Land bringen.
Das sich das Tier anfassen ließ war sehr ungewöhnlich, normalerweise ist das schon einer der Gründe das Tier aus der Natur zu entnehmen. Aber irgendwas in mir sagte „Warte noch“, denn das Tier war wohlgenährt, nicht dehydriert, die Augen waren klar, es hatte keinen Durchfall, Blut aus Nase und Fang war auch nicht zusehen, die Gelenke an den Flossen waren nicht geschwollen oder unnatürlich warm. Also entschied ich mich erst einmal abzuwarten und das Tier weiter beobachten.
Zwischenzeitlich war auch die Polizei eingetroffen und diese kam auch gleich meiner Bitte nach, den Strand weiträumig um die Robbe abzusperren. Weiterhin hielt ich Rücksprache mit dem ITAW in Büsum und den dortigen Tierärzten. Diese kamen zum selben Ergebnis das ich das Tier erstmal beobachten sollte. Zur Sicherheit habe ich die obere Jagdbehörde angerufen um mir die Erlaubnis zur evt. Entnahme des Tieres aus der Natur geben zu lassen.
Eine absolute gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen.
Nun, nachdem ich also den ganzen Nachmittag des ersten Weihnachtstages mir den Allerwertesten bei 1,5°C abgefroren habe, machte sich die Robbe dann gegen 16:30 Uhr auf wieder auf um ins Wasser zugehen.
Ich persönlich glaube allerdings das ich die Robbe in den nächsten Tagen irgendwo am Strand tot wiederfinden werde, denn auch wenn sie äußerlich nichts hatte, wird sie dennoch irgendeine Krankheit in sich tragen. Also lasse ich Natur Natur sein und warte ab.
Peter Klink
Seehundjäger
Bild zur Meldung: Ein sehr seltenen Gast am Südstrand in Eckernförde

