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Berichte aus dem Hegering X

Kitzrettung aus der Luft

 

In Schleswig-Holstein gilt die Zeit vom 01.04. bis 15.07. als Brut- und Setzzeit. Viele Vögel und Wildtiere bringen in diesen Frühjahrsmonaten ihre Jungen zur Welt.

 

In dieser Zeit halten sich die Tiere besonders häufig im Dickicht, in Knicks und im hohen Gras auf, um dort für sich und ihren Nachwuchs Schutz zu suchen. Besonders beim Rehwild legen die Ricken ihre Kitze gerne in dem hohen Gras ab, um sie so vor den natürlichen Feinden zu schützen.

 

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Foto: Kitzrettung Dänischer Wohld e.V.

 

Allerdings beginnt in diesen Monaten auch die Frühjahrsmahd der Landwirte, die für ihre Tiere qualitativ hochwertiges Futter produzieren müssen.

Somit besteht für die jungen Kitze die Gefahr, von den Schneidwerken der Mähwerke verletzt zu werden. Die jungen Tiere haben noch keinen Fluchtinstinkt, der sie bei Gefahr davonlaufen lässt.

Die Kitze ducken sich sogar noch tiefer in das hohe Gras, um sich vor dem vermeintlichen Feind zu verstecken. Dadurch werden sie für die Landwirte unsichtbar.

 

Um die Jungtiere vor dem Mähtod zu bewahren, haben sich die Jäger und Revierinhaber mit den Jahren unterschiedliche Methoden angeeignet.

Eine häufig genutzte Methode ist das Vergrämen der Tiere.

Mehrere Jäger gehen – im Idealfall mit Hunden – am Vortag der Mahd kreuz und quer über die Wiesen, um so Unruhe zu verbreiten und den menschlichen Geruch an das Gras zu bringen. Wenn Ruhe eingekehrt ist, holt die Ricke dann das Kitz aus dem Versteck und bringt es an einen ruhigeren Ort.

Andere Möglichkeiten der Vergrämung wären unter anderem knisternde Tüten auf den Fläche aufzuhängen oder mit Rauchmeldern permanente Töne zu erzeugen.

Diese Vergrämungen werden jedoch häufig bereits am Vortag des 1. Schnittes durchgeführt, so dass die Gefahr besteht, dass wieder ein Rehkitz in das Gras abgelegt wird.

 

Ein relativ neues und effektives Verfahren, die Jungtiere in dem hohen Gras aufzuspüren ist der Einsatz von Drohnen. Mit einer Wärmebildkamera ausgestattet, überfliegt die Drohne die Fläche, die kurz darauf gemäht werden soll. Der Pilot der Drohne sieht dann auf einen Bildschirm durch eine farbliche Veränderung, wo ein Tier liegen müsste.

Der Einsatz der Drohne muss jedoch in den frühen Morgenstunden stattfinden, solange die Temperatur des Tierkörpers die seiner Umgebung noch stark übersteigt.

 

Auch in Holtsee wurde zu der diesjährigen Frühjahrsmahd eine Drohne zur Unterstützung der Kitzsuche eingesetzt.

 

Der Landwirt Klaus Hass hat am Vortag seines ersten Schnitts nicht nur wie üblich die Jagdpächter über sein Vorhaben informiert, sondern hat zusätzlich bei der Kitzrettung Dänischer Wohld e.V. nachgefragt, ob diese ihm bei der Kontrolle seiner Wiesen helfen können.

 

Mit zwei Teams erschienen die Kitzretter, bestehend aus jeweils einem Drohnenpilot und mehreren Läufern, am nächsten Tag vor Sonnenaufgang in Holtsee.

Während die Piloten die Drohnen über die unterschiedlichen Flächen steuerten, warteten die andern Beteiligten auf ihren Einsatz.

 

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Fotos: Kitzrettung Dänischer Wohld e.V.

 

Auf einer Fläche wurden mit der Wärmebildkamera zwei
„Flecken“ sichtbar. Die Läufer wurden von  dem Piloten über Funk an die richtige Stelle geleitet. Hier befanden sich zwei Rehkitze in dem hohen Gras, die nun umgesetzt werden mussten.

 

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Foto: Kitzrettung Dänischer Wohld e.V.

 

Damit die Tiere nicht den menschlichen Geruch annehmen und später von der Mutter wieder angenommen werden, werden die Kitze nur mit Handschuhen und viel Gras angefasst.

 

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Foto: Kitzrettung Dänischer Wohld e.V.

 

Würde man die Kitze jetzt nur auf die andere Seite des Knicks setzen, bestände die Gefahr, dass sie sich wieder an einer anderen Stelle in das hohe Gras zurückziehen. Darum wurden die Tiere in gut gelüftete und mit Gras ausgelegte Haustier-Transporttaschen gelegt und sicher in einen Knick in der Nähe der Fundstelle gestellt.

 

stine_kitzrettung_5Foto: Inga Schröder

 

Nach der etwa zweistündigen erfolgreichen Suche fuhren die Mitglieder der Kitzrettung Dänischer Wohld e.V. wieder nach Hause.

 

Nach der Mahd hat der Jagdpächter Hans-Michow Schröder die beiden Fundtiere wieder aus den Taschen befreit. Die Kitze wurden an den Wiesenrand in das Dickicht gesetzt, so dass die Ricke kurze Zeit später wieder den Kontakt zu ihrem Nachwuchs aufnehmen konnte.

 

stine_kitzrettung_6Foto: Inga Schröder

 

 

stine_kitzrettung_9 Foto: Inga Schröder

 

Ein herzlicher Dank geht an die ehrenamtlichen Helfer der Kitzrettung Dänischer Wohld. Hierbei handelt es sich um einen noch jungen gemeinnützigen Verein, der sich aktuell nur über die Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert.

 

Wer mehr über den Verein erfahren und ihn in seiner ehrenamtlichen Arbeit unterstützen möchte, kann sich hier über die Kitzrettung informieren.

 

Inga Schröder

 

 

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